Markus Schlegel

 Erzähl’ mir etwas, das ich noch nicht weiß!

Ab und zu stoße ich bei Google-Suchen auf Webseiten, die mir voller Stolz ihre telepathischen oder sonstig esoterischen Fähigkeiten beweisen zu müssen scheinen.

Sie kommen von Google und suchen nach »Schlechte Websites, die nerven«. Wir hoffen, sie haben gefunden, was Sie suchten.

Falls ich tatsächlich nach dem Genannten gesucht habe, bin ich durchaus erfolgreich gewesen. Denn irgendwie erinnert mich das Spielchen mit dem »Du sagst mir den Referrer und ich sag’ dir wo du warst« an ebenso nervige »Du gibst mir den User Agent String und ich sage dir deinen Browser und dein Betriebssystem.«

Was will der Betreiber der Website mit solchen überflüssigen Bemerkungen erreichen? Look at me, I knowz teeh internets?

 Drei Dinge, die vom Browser nicht unterstützt werden …

… die man aber super gebrauchen könnte. Ich selbst baue keine Web-Applikationen. Wenn ich aber welche basteln würde, könnten mir folgende drei Funktionen fehlen.

Desktop-Benachrichtigungen

Das wäre bei allen Applikationen nützlich, die regelmäßig Neues zeigen. Twitter, Google-Reader oder online IM-Services. Auch Benachrichtigungen über die Beendigung oder den Abbruch eines Datei-Uploads wären mir manchmal ganz lieb. Wenn man bei Flickr mehrere schwere Bilder hochlädt, kann das schon mal ein bisschen Zeit in Anspruch nehmen, in der ich mich vom Browser abwende, mich mit etwas anderem beschäftige und manchmal den Upload vergesse.

Jede Desktopumgebung bietet es an: Mithilfe einer Standardbenachrichtigung wird der Desktop-User auf alles Mögliche aufmerksam gemacht. Die Browserentwickler könnten eine Schnittstelle bieten, um Webentwicklern den Zugriff auf die Engine zu gewähren.

Benachrichtigung: You have 12 unread messages

Gesteuert werden muss das natürlich mit JavaScript, wie das im Detail aussehen könnte, darüber habe ich mir noch keine ausführlichen Gedanken gemacht. Wichtig ist, dass die Interaktion möglichst generisch ist, damit jedes Betriebssystem die Meldungen auf seine eigene Art und Weise handhaben kann.

Verbesserte Upload-Formulare

Dies ist als Einziges schon in Planung. Mozilla veranstaltete einst einen Design-Contest für eine neue Form der Upload-Formulare (Quelle unauffindbar). Gefordert war, dass sie erlauben, mehrere Dateien in einem Rutsch hochzuladen, dass sie Drag&Drop unterstützen und dass sie gut stylebar sind.

Derzeit lassen sich mit den normalen Upload-Formularen nur einzelne Dateien hochladen. Das ist oft sehr nervig, denn wenn man tatsächlich mehrere Dateien hochladen möchte, muss man diese entweder alle zippen und vom Server entpacken lassen oder zu jedem File einzeln navigieren.

Einträge im Kontextmenü

Das halte ich sogar für die sinnvollste Funktion. Ich meine, gehört zu haben, dass der Rechtsklick auf dem Mac nicht sonderlich populär ist, trotzdem sind Kontextmenüs hilfreich.

Was für mich auf dem Desktop nicht mehr wegzudenken wäre, ist für Webentwickler derzeit nicht umsetzbar, denn es werden bei einem Rechtklick nur die browserspezifischen Optionen zur Auswahl angeboten. Eine Webapplikation hat hier keine Chance.

Ein eigener Abschnitt im Kontextmenü

Gerade beim Google-Reader könnte man die Funktion gut gebrauchen. Rechtsklick auf einen Ordner, »Alle als gelesen markieren«, fertig!

Hier fiele mir auch schon eine mögliche Implementationsform ein, wozu man nicht einmal JavaScript bräuchte:

<a href="gelesen.html" style="display: menu;">Alle als gelesen markieren</a>

display:menu; verfrachtet den Spaß in’s Kontextmenü. Falls der Browser das nicht richtig interpretiert, fällt er auf den Standardwert zurück und der Eintrag ist trotzdem noch klickbar.

 Von Kola und Spezi

Das gemeine Volk sagt »Strichpunkt«, das gemeine Volk sagt »Doppelpunkt«; vor allem sagt das gemeine Volk aber »markus minus schlegel punkt com«, wenn man meine Webadresse phonetisch wiederzugeben versucht.

Das darf nicht sein, nein, da muss man dagegenhalten. Um sich von diesen Leuten abzugrenzen, muss man harte sprachliche Geschütze auffahren. Die Satzzeichen haben es verdient, missverständlich bezeichnet und mit mehrdeutigen Begrifflichkeiten beladen zu werden.

Generell sollte man deshalb also immer genau die Begriffe verwenden, die von den wenigsten anderen Menschen benutzt werden. Man wird hier auf starke lokale und temporale Unterschiede treffen. Je nach Ihrem Status in der Gesellschaft kann es sein, dass bald ganze Völker einen alternativen Begriff verwendet, nur weil Sie ihn in Umlauf gebracht haben. Dann müssen Sie immer schnell einen weiteren Begriff in der Hinterhand haben.

Bei Punkt, Punkt, Komma, Strich kann lediglich letzterer mit einer Variationsfülle aufwarten, die sich sehen lassen kann. Die Unterscheidung des Strichs in Slash, Pipe, Backslash und »Querstrich« dürfte auch den weniger versierten Typovergewaltigern bekannt sein. Dass es hier aber natürlich noch viel diffiziler zugehen kann, verlangt schon fortgeschrittenes Fachwissen.

Der Slash wird gemeinhin als »Schrägstrich« bezeichnet. Sie sind aber Typograph und haben deshalb zuallererst vom »Solidus« zu reden. Je nach Einsatzgebiet darf man auch vom Bruchstrich oder Divisionsstrich sprechen, auch wenn es sich dabei eigentlich um ein anderes Satzzeichen handelt. Den kleinen (im Sinne von selten genutzten) Bruder des Solidus ist der umgekehrte Schrägstrich oder Backslash. Auch mit ihm kann man das Verwirrspiel prima ergänzen, denn neben umgekehrter Schrägstrich gilt auch rückwärtiger oder linksseitiger Schrägstrich. Wenn das nicht ausreicht, kann man immer noch zum »Rückstrich« greifen.

Dass man bei Apostrophen und dem restlichen Kleinvieh aufpassen muss, ist bekannt. Apostrophen sind ein bestimmtes Satzzeichen, ferner gibt es noch das Minutenzeichen und einen einfachen Strich ohne nähere Bedeutung.

»Hochkomma« und »Oberstrich« sind laut Wikipedia zwar umgangssprachlich, dürfen aber zur Not als alternative Termini herhalten, wenn vom Apostrophen die Rede ist.

Ein leidiges Thema sind immer wieder die verschiedenen liegenden Striche. Bindestrich, Halb- und Vollgeviertstrich haben so viele unterschiedliche Fachbegriffe, dass man diese besser in Form einer Liste konsumiert.

Bindestrich
  • Viertelgeviertrich
  • Trennstrich
  • Ergänzungsstrich
  • Koppel-Strich
  • Hyphen
  • Divis
Halbgeviertstrich
  • Bis-Strich
  • Gedankenstrich
  • Streckenstrich
  • Gegenstrich
Geviertstrich
  • englischer Gedankenstrich
  • Spiegelstrich
Minuszeichen
  • Negativ-Vorzeichen

Wie Sie sehen, können Sie hier ordentlich reinhauen, was den Begriffsfundus angeht.

Mein persönliches Lieblingszeichen, der Semikolon, ist in seiner lateinischen Begriffsvariante weitgehend überall bekannt. Weniger bekannt ist der Ausdruck »Kolon« für den einfachen Doppelpunkt. Ein Semikolon ist also ein halber Doppelpunkt, auch wenn das der Semantik nicht gerecht wird.

Kaum bekannt dürften die jeweiligen Pluralformen sein. Während sich der Doppelpunkt ein amerikanisches Softgetränk als sprachliches Vorbild nimmt, kann man das Semikola eventuell noch als Spezi interpretieren. Kola und Semikola sind der Gipfel der Satzzeichenbenennung und wenn man diese in der Öffentlichkeit benutzt, sollte man aufpassen, dass man sich nicht gerade im Stammlokal der überzeugten Alkoholiker befindet.

 Zensur Zurück!

Manchmal ist man zu faul, um zu argumentieren. Manchmal sind auch schon alle Argumente zum hundertsten Mal ausgeführt und werden nur noch recyclet. Diese Situation herrscht gerade im Bezug auf dieses Plugin.

Wer die Argumente, die gegen einen Einsatz des Plugins sprechen, nachlesen möchte, der kann sich beim Wiki des AK Zensur bedienen. Die lassen sich nämlich weitgehend in beide Richtungen anwenden.

Ich kann mir denken, dass das Plugin ursprünglich wohl nicht sehr ernst gemeint war. Nachdem der Artikel aber auf Rivva erschienen ist und man die Kommentare verfolgt hat, muss man davon ausgehen, dass der Großteil den Spaß übertreiben wird. Man sollte der Pro-Zensur-Seite keine Punkte schenken und vor allem sollte man nicht mutwillig verhindern, dass sich Politiker ernsthaft informieren können. Es soll ja Politiker geben, die über das Internetausdrucker-Stadium hinaus sind.

 #iranelection Cyberwar Guidelines für Anfänger

Dies ist eine Übersetzung von #iranelection cyberwar guide for beginners aus dem Englischen.

Der Zweck dieser Guidelines ist es, euch bei der Unterstützung der Twitter-Proteste zur iranischen Präsidentschaftswahl zu helfen.

  1. Veröffentlicht keine Proxy-IPs über Twitter und insbesondere nicht in Verbindung mit dem Hashtag #iranelection. Sicherheitskräfte überwachen die Tweets, die diesen Tag enthalten. Sobald eine solche IP gefunden wird, wird man diese auf schnellstem Wege sperren. Falls ihr neue Proxies für die iranischen Blogger einrichtet, schickt die IPs an @stopAhmadi oder @iran09 und die IPs werden auf sicherem Weg an alle Blogger weitergeleitet.
  2. Die einzigen beiden Hashtags, die von iranischen Bloggern benutzt werden, sind #iranelection und #gr88. Die Benutzung anderer Hashtags könnte zur Verwässerung der Konversationen führen.
  3. Vorsicht mit der Weiterverbreitung von Nonsens! Sicherheitskräfte legen Twitter-Accounts an und verbreiten Falschmeldungen, indem sie sich als iranische Blogger ausgeben. Bitte keine unbedachten ReTweets! Versucht, die Informationen von vertrauenswürdigen Quellen bestätigen zu lassen, bevor ihr sie weiterverbreitet. Legitime Quellen sind leicht auszumachen.
  4. Helft mit, die Blogger zu schützen: Ändert die Location eures Twitter-Accounts in “Tehran” und die Zeitzone in “GMT +3.30”. Sicherheitskräfte suchen nach User mit diesen Einstellungen, um iranische Blogger ausfindig zu machen. Dadurch, dass es mehrere “Iraner” in der Twittersphäre gibt, können die wirklichen iranischen Blogger schwerer gefunden werden. Anmerkung des Übersetzers: Vorsicht, dadurch wird womöglich auch der Informationsstrom verwässert!
  5. Lasst die Blogger auf keinen Fall auffliegen! Wenn ihr eine authentische Quelle entdeckt, publiziert bitte nicht deren Namen oder Aufenthaltsort auf irgendwelchen Webseiten! Die iranischen Blogger sind in echter Gefahr. Verbreitet die Nachrichten in euren eigenen Netzwerken [sic!] aber gebt sie nicht an die Sicherheitskräfte weiter. Dort sterben Menschen, vergesst das nicht!
  6. DDoS-Attacken [sic!]: Wenn ihr nicht wisst, was ihr tut, haltet euch raus! Greift nur die Websites an, die von den iranischen Bloggern gekennzeichnet wurden. Werdet euch bewusst, dass solche Attacken die Infrastruktur, auf welche die Blogger angewiesen sind, in Mitleidenschaft ziehen können. Beobachtet den Traffic der Seiten, um bestimmen zu können, wann ihr die Angriffe stoppen solltet.
  7. Verbreitet die (legitimen) Nachrichten, es funktioniert! Als die iranischen Blogger um die Verschiebung der Twitter-Wartungsarbeiten baten und zur Benutzung des #nomaintenance-Tags aufriefen, hatte es den erwünschten Effekt. Solange wir gute Informationen verbreiten, moralische Unterstützung leisten und uns von den vertrauenswürdigen Bloggern leiten lassen, können wir einen enormen Beitrag leisten.

Vergesst nicht, dass es hier um das Leben und die Zukunft der iranischen Bevölkerung geht, obwohl es manchmal scheint, als ginge es nur darum, ein Teil eines neuen Memes zu werden. Verliert nicht die Sicht auf die wirkliche Problematik!

Die markierten Stellen sind nicht eindeutig. Ich wusste nicht genau, wie der Autor die Stellen ursprünglich meinte.
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