3.03.10
Buchseiten: überflüssig
… doch es scheint einen Übergang zu brauchen, oder so.
Was führte dazu, dass Apple bei Büchern auf dem iPad weiterhin auf eine Seitenunterteilung setzt? Hier wird ein altes Medium auf ein neues übertragen, doch scheinbar ohne sinnvolle Anpassungen und Nutzung der Vorteile eines elektronischen Lesegeräts. Im Gegenteil – mit der Möglichkeit, Schriftgröße und -art anzupassen, verliert die Seitenunterteilung eine der wenigen positiven Eigenschaften, die sie auf Papier hatte. Bei einem Buch helfen die statischen Seiten mit ihren eindeutigen Seitenzahlen, sich den letzten Lesestand zu merken; ist der Inhalt nicht mehr einer eindeutigen Seitenzahl zuzuordnen – wie es bei E-Readern der Fall ist – werden Seiten obsolet.
Die Strategie, die Apple fährt, leuchtet trotzdem ein. Das iPad wendet sich an die Masse und die will ihre alten Bücher mit ihrem alten Feeling und zu diesem gehören Seiten – so sinnlos sie auch sein mögen. Lesezeichen lassen sich bei elektronischen Lesegeräten schließlich deutlich eleganter realisieren. Lesezeichen, die der Leser nicht einmal mehr selbst anlegen muss, Lesezeichen, die automatisch mitlesen.
Die Seitenunterteilung der physikalischen Bücher fußt auf den physikalischen Gegebenheiten. Papier in Stücke zu schneiden und zu blättern ist deutlich angenehmer, als eine riesige Schriftrolle zu bedienen. Elektronische Lesegeräte wie das iPad sind aber nicht aus Papier und dürften sich deshalb von mir aus gerne über dessen Einschränkungen hinwegsetzen.
Kommentare [7]
LexX Noel am 3.03.2010 um 20:04
Selbst wenn Ich mich noch dann auf dem iPad an den Seitenzahlen orientieren würde, ein Problem würde das nicht werden beim vergrößern von Text.
Denn nach meinem Verständnis, würde der Text auf der jeweiligen Seiten sich durch das Vergrößern nicht auf eine weitere Seite verschieben, sondern eher die Seite als solches in der Länge wachsen je mehr ich den Text vergrößere.
Selbiges Vorgehen beobachte ich auch beim betrachten meines Blog, mit meinem iPodtouch, wo die Ansicht dann eher länger oder kürzer wird. Jedoch nicht aus 1 Seite plötzlich 2 Seiten werden nur weil ich den Text vergrößere.
Markus Schlegel am 3.03.2010 um 21:33
In den Videos, die ich gesehen habe, funktioniert die Textvergrößerung nicht, deshalb kann ich da keine genauen Aussagen machen.
Aber so wie ich das beobachtet habe, passen die Seiten immer genau auf den Viewport. Wäre es so, wie du meinst, müsste man ja trotz Seiten zusätzlich scrollen. Das wäre meiner Meinung nach noch weirder als wenn sich nur der Inhalt auf die nächste Seite schiebt.
Tim Baumann am 5.03.2010 um 15:44
Scrollen und Blättern dienen dem selben Zweck: die nächsten paar Zeilen Text auf den Bildschirm zu holen. Ich bin der Meinung, dass beide Konzepte ihre Daseinsberechtigung haben. Beim Surfen im Internet geht es sehr häufig darum, Informationen zu recherchieren. Dazu ist es notwendig, Texte bequem überfliegen zu können und sich einen Überblick zu verschaffen. Dem kommt das Scrolling entgegen. Dieses Konzept auf E-Books angewandt, würde aber nerven. Beim Lesen möchte man möglichst wenig auf dem Bildschirm rumtappen. Das führt dazu, dass man den angezeigten Ausschnitt liest, und danach soweit runterscrollt, dass der gelesene Text oben aus dem Viewport verschwindet. Wäre es da nicht bequemer, nach einem Tapser die nächsten paar Zeilen Text zu sehen zu bekommen?
Markus Schlegel am 5.03.2010 um 16:32
Guter Einwand. Dazu ein kleines Szenario der Zukunft.
Irgendwann einmal wird es meiner Ansicht nach möglich sein, meine aktuelle Lesegeschwindigkeit exakt festzustellen. Ein Programm logt mein Leseverhalten, merkt sich, bei welchen Wörtern ich stocke, welche Art von grammatikalischen Konstrukten ich leicht, welche schwer aufnehme und so weiter. Dazu kommt die gerade aktuelle Verfassung. Bin ich konzentriert? Läuft nebenher Musik und bin ich deshalb eher abgelenkt? Komme ich von der Arbeit zurück oder bin ich gerade erst aufgestanden?
Kann es mit solch einer Technik möglich sein, dass ich beim Lesen weder Scrollen noch Blättern muss? Ich stelle mir hier einen Art Ticker-Text (marquee lässt grüßen) vor, der die Laufgeschwindigkeit meiner aktuellen Lesegeschwindigkeit anpasst. Ich muss Texte nicht mehr aktiv scannen, stattdesssen hüpft das Leseprogramm für mich an bestimmte Stellen zu bestimmten Keywords ohne mein aktives Zutun.
Ich bin kein Wissenschaftler, aber klünge das Szenario realistisch?
Tim Baumann am 6.03.2010 um 13:54
Nein. Das Lesen ist keine gleichmäßige Angelegenheit. Manchmal kommt mir beim Lesen ein Gedanke, über den es sich nachzudenken lohnt. Manchmal muss ich eine Stelle noch mal lesen, weil ich sie nicht verstanden habe. Manchmal spricht mich jemand beim Lesen an oder etwas in meiner Umgebung verlangt nach meiner Aufmerksamkeit. Ich sehe es als Stärke von Text, dass es ohne nach der Fernbedienung zu greifen oder sonst irgendwas zu tun, möglich ist, zu unterbrechen.
Zudem würde ich mich durch solch autoscrollenden gehetzt fühlen. Und schlechter zu lesen wärde es obendrein.
Wenn es in Zukunft eine Technik gibt, die es möglich macht, zu lesen, ohne zu blättern, dann wird das eine Kamara sein, die ausrechnet, wo ich gerade hinschaue.
Markus Schlegel am 6.03.2010 um 19:16
Also glaubst du, dass Text für immer in Zeilen aufgeteilt sein wird? Ich meine, das mit der „Augenkamera“ wird es so ähnlich irgendwann geben, aber warum dann nicht nur noch eine Zeile, die – wie oben beschrieben – von selbst läuft. Das wäre wie Scrollen, nur horizontal.
Tim Baumann am 6.03.2010 um 19:25
Kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Irgendwie will ich noch den Überblick über den Text behalten, den ich lese. Gleichzeitig finde ich es beruhigend zu wissen, wo genau ich mich im Gesamtdokument befinde. Dazu hilft die Einteilung in Seiten und Zeilen.
Kommentar verfassen
Flattr
Blogrolle
- Björn Seibert
Webdesign & Rest - Christoph Koeberlin
Typographie verstehen - Der Spiegelfechter
Zeitgeschehen - Feynsinn
Politisches - Gerrit van Aaken
Webdesign & Rest - Jeffrey Zeldman
Jeffrey Zeldman eben - Mathias Schäfer
Webstandards & so - Nico Brünjes
ZEIT-Website-Mensch - Peter Kröner
Webdesign, Rants & Rest - Stefan Münz
Zur Zukunft und Gegenwart des Web
Podroll
- Boagworld
Paul Boag & Marcus Lillington - Chaosradio Express
Tim Pritlove und Gäste - Elektrischer Reporter
Aufklärung netzpolitischer Themen - Medienradio
Podcast über Medien (srsly!) - Read Between the Leading
Design allgemein - Technikwürze
Webdesign & Rest
Soziale Netzwerke
- Amazon-Wunschliste
Auf dass man mich reich beschenke - dasauge
Profil und Portfolio - Delicious
Social Bookmarking - Formspring.me
Obwohl schon alles über mich gesagt ist. - Google Reader Shared Items
Was ich lese und gut finde - last.fm
Meine Musik - Twitter
Lyrik & Prosa - Xing
Geschäftliches
Twitroll
- @font
Tobias Otte - @freshmango
Dennis Frank - @Herr_Gabriel
Gabriel Shahzad - @netzpolitik
Markus Beckedahl - @timpritlove
Tim Pritlove