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20.09.09

Die Piratenpartei und ihre plötzliche Fehlbarkeit

Die Stimmung kippt. Die Piraten zeichnen sich in vieler Beobachter Augen mittlerweile immer mehr durch fehlende Distanz zum rechten Rand und eine nicht vorhandene Offline-Kompetenz aus. Egal, wie gerechtfertigt die Anschuldigungen auch sein mögen, die Euphorie, die einst herrschte, hat den Wind in den Segeln verloren. Langsam bezeichnet man sich nicht mehr leichtfertig als Piraten-Sympathisant, denn wer weiß, wie die Dinge noch ihren Lauf nehmen könnten.

„Wenn mir die “junge freiheit” vernünftige Fragen stellt, würde ich die auch beantworten.“ heißt es an manchen Stellen. Aber darum geht es den Zweiflern nicht. Es geht darum, dass man inzwischen den Glauben an die Unfehlbarkeit, welche bei den Piraten, wie auch bei jeder anderen Vereinigung, natürlich nie vorhanden war, verloren hat.

Denn leider neigt der Mensch zur Übertreibung und zur uneingeschränkten Hingabe an den prophezeiten Messias. Das prominenteste Beispiel der letzten Monate ist der US-Wahlkampf und dessen schillernde Figur Barrack Obama. Dieser macht laut vieler Amerikaner jetzt, da er im Amt ist und es an die Erfüllung seiner Versprechen geht, die gleiche Politik, die auch schon sein Vorgänger betrieb. Die Erwartungen waren zu hoch, aber sie gaben den Menschen Hoffnung, solange noch alles vor ihnen lag.

Wenn nur ein kleiner Bruch passiert, kommt man von der Euphoriewelle in’s Zweifeln, man fragt sich, ob das, was man bisher für die einzige Lösung hielt, wirklich so tadellos ist, wie es alle darstellen. Das ist meiner Meinung nach eine natürliche Reaktion und sie ist wichtig. Je früher dieser Bruch geschieht, desto früher werden sich die Menschen der Unfehlbarkeit bewusst und desto früher kommen sie auch über ihre Zweifel hinweg.

Bei der Piratenpartei hat dieser Bruch recht lange auf sich warten lassen. Die Thiesen-Sache war ein Zwischenfall, wurde aber von den meisten auch nicht als mehr als nur ein Zwischenfall gewertet. Mit dem Interview folgt der zweite „Schlag“ in dieselbe Richtung und spätestens bei Nummer drei dürften sich einige Fluktanten abwenden. Es wird einfach zu heiß. Vereinigungen sind (zum Glück) nicht wie eine Familie. Man kann austreten, wenn man sich nicht mehr wohl fühlt. Man trat der Vereinigung ohnehin nur bei, weil man sich mit deren Werte identifizieren konnte und weil es viele andere zu geben schien, denen es ähnlich ging.

Es geht also weniger darum, dass und ob die „Ausrutscher“ überhaupt welche waren oder nicht. Die Entrüstung und die Unkenrufe, die jetzt vielerorts zu vernehmen sind, sind meines Erachtens nichts weiter als eine verständliche Reaktion auf die Enttäuschung und die Einsicht, dass es den Heiligen Gral in der Parteienlandschaft doch nicht zu geben scheint. Nicht einmal mehr als netzaffiner Bürger kann man zur Wahl gehen und sich danach hundertprozentig sicher sein, das richtige gewählt zu haben.

Kommentare [2]

Boomel am 20.09.2009 um 08:09

Und wie gut ich mich fühlen werde beim Kreuzchen machen, sogar sehr gut weil ich ein Überzeugungskreuzchenmacher bin :)

Ich bleib bei den Piraten, da helfen diese “Verrückungen” nach rechts oder Kipo Vorwürfe nichts mehr. Einen Messiahs wie Obama bei den Amis gibt es nicht, aber allein die Ansätze WIE Politik sein soll sprechen mich an. Ein transparenter Staat damit wir wieder Vertrauen in die Demokratie bekommen können, das allein ist Grund genug für eine piratige Wahl in einer Woche!

greetz

nastorseriessix am 20.09.2009 um 13:53

Panikmache und das übliche Meckern der Medien, bei dem was noch neu ist und was man nicht kennt. Kenne ich alles schon, trotzdem und/oder gerade deswegen bekommen die Piraten meine Stimme! Punkt!!

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