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18.05.10

Flattr: Verlage werden draußen bleiben

Ich stelle einfach einmal eine These auf und ich denke, damit ist sich nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt: Wenn das Flattr-Modell funktioniert, wird eine neue Branche heranwachsen: Sympathy Enhancement. So wie mit der Bedeutungszunahme von Google die Search-Engine-Optimizer an der Oberfläche austrieben, wird es dann statt SEO eben auch SE geben.

Denn darauf baut doch das Modell einer freiwilligen Kulturflatrate auf: Sympathie. Wer nicht meine Sympathie genießt, wird vielleicht gelesen, aber nicht geflattert. Verlage großer Nachrichtenportale sind derartige Kandidaten. Man liest Spiegel Online, aber man ist sich bewusst, dass die Schöpfungshöhe der meisten Artikel unterhalb der eines Klavierkonzerts auf einer Toys’r‘us-Orgel liegt. Man liest und informiert sich einfach nur. Vor allem die technikaffine Avantgarde, die zuerst die Flattr-Plattform bewohnen wird und demnach schon einmal eine Richtung für die Nutzung des Dienstes vorgibt, ist nicht gut auf die „alten Medien im Internet“ zu sprechen, was diese sich durch ihre sich fortwährend wiederholenden Tiraden gegen die Blogosphäre letztlich selbst eingebrockt haben.

Neben dieser eher persönlichen Fehde gibt es noch ein zweites Argument, warum sich die Massenmedien-Relikte mit Flattr keinen allzu großen Gefallen tun werden. Verlage geben sich trotz ihrer Bettelei und dem Geflenne über Gewinneinbußen immer noch als mächtig und stark. Die Webseiten wirken nicht so, als wäre hier jemand auf die milde Gabe eines einzelnen Lesers angewiesen. Als Flattr-User zahle ich zwei bis zwanzig Euro im Monat, die teile ich doch lieber unter armen Bloggern, statt unter angestellten Journalisten auf. Dort geht mein lächerlicher Betrag doch nur unter; welch’ Verschwendung.

Um dieser Sympathie-Misere entgegenzuwirken, werden dann die eingangs erwähnte SE-Experten angeheuert werden. Diese neue Branche besteht natürlich wieder aus den selben Halunken, wie auch die SEO-Szene, aber das hat ja auch dort schon niemanden interessiert. Jedenfalls peppeln die Sympathy Enhancement Experts dann das Charisma der Großen auf, damit diese in dem neuen Markt endlich auch Geld verdienen können. Helfen wird Ihnen das nichts, denn Sympathie bezieht sich auf Menschen, SEO auf Maschinen. Menschen lassen sich nicht so leicht täuschen – hoffe ich. Und deshalb wird die große Content-Industrie auch im Flattrversum vergeblich auf den Geldsegen hoffen werden. Wenn das Modell denn überhaupt irgendwo Erfolg hat.

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