11.04.10
Google macht die Ladegeschwindigkeit zum Rankingfaktor - und das ist (noch nicht) gut
Google kündigte also offiziell an, dass in Zukunft die Ladezeit einer Webseite in das Ranking miteinfließen wird. „So what?“. fragte ich mich als erstes und ich wollte das Thema am Anfang sogar komplett ignorieren. In der Praxis ändert sich mit dieser Erkenntnis für einen guten Webdesigner schließlich überhaupt gar nichts.
Der Grund, warum viele dieser eben genannten Webdesigner mit Sach- und Fachverstand sich nur ungern das Schlagwort SEO auf die Liste ihrer Fertigkeiten schreiben, zeigen Geschichten wie diese. SEO ist im Grunde überflüssig, oder sagen wir: sollte überflüssig sein. Wir bauen Webseiten für den Benutzer und nicht für Suchmaschinen. Ersteres scheint beim ersten Hinsehen von letzterem abhängig zu sein. Hat man eine Website, die von Suchmaschinen erst gar nicht erfasst ist, ist auch deren Einfluss auf den Benutzer – der meist über Suchmaschinen auf die Seite trifft – sehr gering bis nicht vorhanden. Tatsächlich aber verläuft die Bedingungskette in die entgegengesetzte Richtung. Die Suchmaschine bewertet nach den Kriterien, die für den Benutzer ohnehin wichtig sind. Am meisten schlägt hier natürlich die Relevanz zu Buche. Darüber hinaus zählen jedoch auch andere Kriterien, wie die Benutzbarkeit der Seite oder eben die Ladegeschwindigkeit. Die Usability lässt sich mit Maschinen nur schwer feststellen, sehr wohl jedoch die Ladegeschwindigkeit. Braucht die Webseite, die, ausschließlich nach Messung der Relevanz, an oberster Stelle stehen würde, die doppelte Ladezeit der beiden darunter liegenden Seiten, sollte diese herabgestuft werden; ganz einfach, weil der Benutzer dadurch Zeit gewinnt. Deshalb ist der Schritt, das Kriterium Ladegeschwindigkeit mit in das Ranking aufzunehmen, einer in die richtige Richtung.
Die richtige Richtung bedeutet aber noch nicht, dass die Änderung insgesamt schon sinnvoll ist. Zuerst sollte es möglich sein, die Relevanz einer Seite wirklich exakt zu ermitteln. Das ist mit Maschinen derzeit noch nicht möglich, allein schon deshalb, weil Bildinhalte nicht erfasst werden können. „Alt-Attribut!“, möchte man mir entgegnen, doch Alternativtexte können den Inhalt eines Bildes nur behelfsmäßig zusammenfassen, zumal sich für viele textbegleitende Illustrationen gar keine sinnvollen Alt-Beschreibungen finden lässt.
Bilder sind der Hauptgrund für lange Ladezeiten. Solange Google nicht den Mehrwert, den diese Bilder dem Besucher der Seite bieten gegen das dadurch verursachte Mehr an Ladezeit aufwiegen kann, kann ich die Ladegeschwindigkeit als Faktor für das Ranking nur mit gemischten Gefühlen sehen.
Kommentare [2]
Martin Kliehm am 12.04.2010 um 14:39
Markus, Bilder sind tatsächlich ein bedeutender Faktor für die Ladegeschwindigkeit, aber weniger durch ihre Dateigröße (wenn man nicht völlig über die Strenge schlägt), sondern durch ihre Anzahl und damit die zeitkostenden HTTP-Requests. Ziel der Techniken, wie sie Yahoo und Google (namentlich Steve Souders) seit einigen Jahren propagieren, ist u.a. die Zahl der Requests zu reduzieren, z.B. durch CSS-Sprites. Davon abgesehen sparen diese Techniken eine Menge an Traffic ein, wodurch die Serverfarm herunterskaliert werden kann und Firmen wie Google massiv Energiekosten sparen. Massiv im Sinne von mehreren Millionen Dollar pro Jahr.
Markus am 12.04.2010 um 18:21
Da hast du wohl mit den Bildern recht. Wie ich im Artikel schon sagte, begrüße ich ja im Grunde den Einbezug aller Faktoren, die auch für den Nutzern entscheidend sind. Nur sollte auch bewusst sein, dass ein Mehrwert – und der bringt eben manchmal tatsächlich längere Ladezeiten mit sich – nicht angemessen bewertet werden kann.
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