12.01.11

H.264 rauswerfen, Flash behalten – ein Widerspruch?

Ganz klare Antwort: Nein! Und eigentlich überrascht es mich schon, dass ich hier das „Warum nicht?“ überhaupt ausführen muss.

Googles Chrome-Browser verliert also den Support für HTML5-H.264. In den Kommentaren zum entsprechendem Blogeintrag melden sich überwiegend kritische Stimmen, die unter anderem anprangern, dass Google an dieser Stelle mit dem Banner „freie Technologien für das freie Web“ aufläuft, während das erz-proprietäre Flash weiterhin mit von der Partie ist. Überraschenderweise macht da auch der sonst nicht unintelligente Meister Gruber mit.

I don’t see how Google keeps Flash but drops H.264 in the name of “openness” without being seen as utter hypocrites.

Verstehst du nicht? Dann pass gut auf, ich erkläre es dir.

Der Chrome-Browser hat noch keinen besonders großen Marktanteil. In der HTML5-Videofrage reißt man aber nur etwas, wenn man Marktanteil hat. Ansonsten kann es sein, dass die Inhalte-Publizisten diesen einen Browser einfach übergehen. Chrome braucht also zunächst einmal mehr Nutzer und dass sich Google in der Hinsicht bemüht, sieht man schon an der aktuellen Fernseh(!)werbung.

Google kann allerdings so viel werben, wie sie wollen; wenn sie kein Flash mitliefern, werden sie kaum eine breite Nutzerbasis schaffen können. Derzeit ist Flash einfach mal noch der Standard. Punkt. Ohne Flash keine Nutzer, ohne Nutzer keine Stimmgewalt.

„Aber iPad und iPhone haben doch auch kein Flash und trotzdem hohe Absatzzahlen!“ Dass das ein vollkommen anderer Fall ist, muss wohl nicht weiter erklärt werden.

Die Flash-Diskussion ist vorbei, aus, entschieden. Da muss man nicht mehr strategisch agieren; Flash siecht ab jetzt einfach so vor sich hin. Die Frage ist jetzt, was danach kommt, die Frage, was Flash ablöst. Jetzt Flash den Boden unter den Füßen zu entziehen und dann keine allgemein unterstütze Alternative auffahren zu können, ist ja wohl keine Lösung.

Jetzt gilt es, die Wahl der Alternative auszufechten. Google hat sich mit dem Nicht-Support von H.264 nun klar positioniert. Für einen offenen Codec und gegen Lizenzkram. Ob es Google bei dieser Frage auch tatsächlich um Offenheit geht, möchte ich ehrlich gesagt in keinster Weise bezweifeln. Die Entscheidung, Flash trotzdem zu unterstützen hat damit aber rein gar nichts zu tun.

Mehr zu dem Thema dann am Montag in der kommenden Working Draft-Folge.

Update: Ein Gegenkommentar

Kommentare [5]

Robert Agthe am 12.01.2011 um 12:43

Wenn Sie Flash der Nutzerzahlen wegen drin lassen, wieso nicht auch h.264? Ich mein, kann man doch immer noch droppen.. später.

Markus Schlegel am 12.01.2011 um 12:52

Bei HTML5-Video wird jetzt eine Entscheidung verlangt, bei Flash nicht. Klar, mit H.264-Unterstützung hätte Chrome wahrscheinlich noch etwas mehr Nutzer. Aber es geht jetzt nun mal um eine Entscheidung um den Nachfolger; da muss man mal ein paar Finger abhacken.

Schepp am 12.01.2011 um 14:33

Google könnte für meinen Geschmack dann kompromissbereiter sein, wenn es Apple und Microsoft ebenfalls wären. Also WebM und Ogg Theora rein und die Gemeinde entscheiden lassen. Wenn irgendein Format minderwertig ist: Na und? Entweder es fällt den Usern auf und dann lassen sie es fallen, oder es ist vielleicht doch nur ein Vorwand, um es zu blockieren.

Aber die beiden letztgenannten halten ja nicht zufällig an H.264 fest. Sie profitieren als Lizenzgeber finanziell von jeder Lizenz. Vor allem Apple kackt einfach mal auf alles, das „not invented here“ ist („and controlled“). Sei es WebM, Ogg, WOFF oder Flash. Auch Apple versucht, durch Tempo oder Monopole den Rest der Welt vor vollendete Tatsachen zu stellen und seine strategischen Interessen durchzudrücken.

Firefox & Co hingegen haben das freie WebM gerne aufgegriffen. Also darf Google bei den Saboteuren gerne seinerseits die Daumenschrauben anziehen. WebM hat die schließlich auch ordentlich Geld gekostet.

Da deren Marktanteil bei den Desktop-Browsern jetzt schon durch die 10%-Marke geschossen ist (Apple 3%), Tendenz steigend, wird es ihnen auch gelingen. Dagegen kommt auch iOS nicht an, das seinerseits gerade von dem Android-Tsunami überrollt wird.

Javos am 13.01.2011 um 06:50

Warum wird jetzt eine Entscheidung zu h264 verlangt?

Markus Schlegel am 13.01.2011 um 14:36

Weil es langsam Zeit ist, findest du nicht?

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