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28.10.09

Innensechskantschlüsselset

Inbusschlüssel

Man kommt also in diesen Laden, erspäht ein Billigkruscht-Regal – immer für einen Spaß gut. Weiterhin bietet sich einem eine Zange dar, in diesem Regal, und sie macht sogar den Anschein, als wäre sie höchster Grifffestigkeit trächtig; ein Prachtstück eines Heimwerkerutensils sozusagen. Der Blick wandert suchend umher; suchend nach etwas, das zumindest den Anschein macht, ein zugehöriges Preisschild zu sein. 1€ steht da, nicht schlecht, aber moment, jemand platzierte mit erfüllender Discounterfanatik einen Filzstiftstrich exakt über dieser Preisangabe und machte diese damit nicht nur nichtig, sondern richtiggehend wichtig für alle die davor stehen und mit sich selbst im Hadern sind, ob sie diesen einen Euro entbehren können oder sich dafür lieber ein halbes Brötchen, draußen beim Bäcker leisten sollen.

Denn neben dem Filzstiftstrich stand in gleicher Manier ein neuer Preis: 60ct. Klaus – sei er der typische Durchschnittskunde – fängt langsam an, misstrauisch zu werden, schaut sich um, was gibt es denn sonst noch so “für sechzig Eurozent”? Als Klaus nun die neun Inbus Innensechskantschlüssel ins Auge fasst, hat er schon fast mit einer Atemnot zu kämpfen. Ohne großes Zögern schnappt er sich die gralig anmutende Packung und spurtet zur Kasse. Das muss ein Missverständnis sein, denkt er, so billig. Jahrelang war er dem Preisdiktat der großen Warenhäuser ausgeliefert wie ein Elektroskop in einer Badewanne voller Zitteraale. Jetzt war er am Drücker.

In der Schlange vor der Kasse, stille Erfüllung versprechend, schwenkte seine Euphorie in Zweifel um. Das kann doch nicht sein, so billig, was, wenn man ihn der Sudelei und gleichzeitig Preisverfälschung bezichtigt, behauptet, er hätte sich aus der Schreibwarenabteilung einen schwarzgrünen Filzstift genommen und selbst Hand angelegt bei der Bestimmung des abzudrückenden Obulus. Plötzlich kam er sich auch schuldig vor. Wer hatte Geld so wenig nötig, dass er neun Innensechskanter für einen Preis von je 6,7ct verkaufte? Wieviel des Erlöses fielen denn auf den eigentlichen Produzenten zurück? Allein der Stahlpreis müsse doch diesen Preis fünffach ad absurdum führen.

Doch jetzt ging es an’s Zahlen. Gespannt wartet Klaus ab, welcher Preis nun letztlich auf der kleinen Anzeige erscheinen würde, sobald der Kassierer das begehrte Stück über den Scanner zog. Seine Argumente hatte er säuberlich vor seinem inneren Auge ausgebreitet, gefasst war er auf ein Wortgefecht höchster Güte.

Dann ging alles ganz schnell. Der Kassierer muss den Preis schon gewusst haben, schließlich entfuhr dieser seinem Munde schon bevor er den Artikel überhaupt über den Scanner zog. Doch was vernehmen des Klausens Ohren da? Neinundzwanzig Sent, bidde! Und der Kassierer schmiss noch ein Die sind finfzich Prozend reduzierd hinterher.

Kassenzettel: 0,29Euro

Jetzt war es um Klaus geschehen, er zückte seinen Geldbeutel und entnahm ihm den gewünschten Betrag. Den Kassenzettel nehme ich mit, bitte, sagte er und schleuderte noch ein hämisches Falls ich das wieder umtauschen möchte, nach.

Sobald Klaus den Laden verlassen hatte, brach er in schallendes Gelächter aus. Er zwickte sich noch einmal in den Arm um auch wirklich sicher zu gehen, dass er nicht träumte, und entfernte sich langsam von der Stelle, wo er gerade dieses unglaubliche Einkaufserlebnis experienzt hatte. Er würde diese Packung niemals öffnen, den Kassenzettel sich einrahmen und später seinen Kindern erzählen, wie er einst ohne Furcht dem Markt ein Schnippchen schlug. Damals war alles besser, da hatten neun Schlüssel noch weniger gekostet als ein Brötchen.

Kommentare [5]

Markus Schlegel am 28.10.2009 um 11:04

Nachwort: Hierbei handelt es sich um Prosa. Klaus ist eine fiktive Person, deren Gefühlswelt eine Überspitzung derer des Autors abbildet. Sämtliche grammatikalische Zeitsprünge sind explizit erwünscht und mit Bedacht gewählt, genauso wie Schreib- und Logikfehler vom Autor so vorgesehen sind.

Marian Burk am 28.10.2009 um 11:15

gorgeous

Jeremias Lubberger am 28.10.2009 um 11:31

Episch.

Manuel am 28.10.2009 um 13:06

Klaus tut wahrscheinlich gut daran, die Innensechskantschlüssel in Ihrer Verpackung zu belassen. Der Preis lässt darauf schließen, dass aus einem solchen Innensechskantschlüssel bei ordnungsgemäßem Einsatz im Nu ein “Innenrundschlüssel” wird. ;)

Markus Schlegel am 28.10.2009 um 13:10

Im Gegensatz zu dem teueren Brötchen beim Bäcker hätte Klaus dann immerhin neun sehr billige Rundstück :)

Dädädädä.

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