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18.11.09

Krankheitsbedingt im Medien-Exil

Die letzten zwei Wochen war ich ab und zu, je nachdem, wie meinem Kopf der Kopf stand, angehalten, im Bette zu verweilen. Das Fieber brachte mich sogar letztlich dazu, für zwei Tage fast komplett auf „teh internets“ zu verzichten und stattdessen das Fernsehen zu bemühen. Das letzte mal, dass so etwas passierte, war schon einige Zeit her (nicht das Verzichten, sondern das Fernsehen). Ich hätte auch zu einem Buch greifen können; bloß die Bücher, die noch ungelesen waren, hätten mir noch mehr Kopfschmerzen gebracht.

Zunächst muss ich ganz unweigerlich sagen, das Internet hat als Medium gegenüber dem Fernsehen den einen Nachteil: Lean-Forward statt Lean-Back. Wenn ich krank bin, möchte ich allerhöchstens einen Knopf auf der Fernbedienung drücken und nicht minutenlang nach irgendwelchen Filmen suchen, diese herunterladen und dann starten. Solange man nicht krank ist, ist Lean-Forward natürlich die angenehmere Art des Infokonsums, aber eben auch nur dann.

Aber zum Wesentlichen: Was sich bei mir sofort einstellte, war Lust auf Werbung. Obwohl, keine wirkliche Lust auf Werbung, sondern eher die Lust, den Blödsinn, der dazwischen kam, nicht mehr zu sehen. Trotzdem ist Werbung doch eigentlich lustig. Klar, es gibt auch die saugenden Joghurt-Muttis mit einem Katzenfutter-Fetisch und kleinen Bälgern, die Flecken in ihre weißen T-Shirts machen, aber manchmal blitzt ein genialer, witziger, skurriler Spot durch. Und zugegeben: Auch bei „sternhagelgünstig“ musste ich schmunzeln. Ob man das auch noch lustig findet, wenn man’s zum zehnten Mal sieht, bleibt die Frage.

Abgesehen von der Werbung habe ich aber keinen Grund gefunden, mich dem Ganzen freiwillig länger auszusetzen. Wenn man Fernsehen als etabliert bezeichnet – was man tut – und „etabliert“ als Synonym für „hat sich durchgesetzt“ verwendet, dann frage ich mich, wogegen sich dieser – sit venia verbo – Scheißdreck eigentlich durchsetzen musste.

Soweit ich das nach dieser kurzen Zeit einordnen kann, gibt es vier verschiedene Themen, die dauerhaft, rund um die Uhr behandelt werden: Nachrichten, Sport, Assis und Bonzen. „Emma nimmt Drogen und hat keinen Job“, interressiert’s mich? Nicht in diesem Format, nicht sechs Stunden am Tag und nicht sechs Tage die Woche! „Die Promis machen’s vor: Dieses Jahr sind T-Shirts schwer in Mode.“, interressiert mich sogar noch viel weniger. Diejenigen, die so etwas freiwillig anschauen, lehnen die Bild auch wegen zu komplizierter Sätze ab.

Allgemein schwebte bei mir fast dauerhaft diese „Juckt’s mich?“-Gedankenblase über dem Kopf. Die erscheint zwar auch oft „im Internet“, aber da kann ich den Schwachsinn einfach wegklicken. „Aber man kann den Fernseher auch ausschalten.“, achso, super Argument.

Körper von verunglückten Organspendern werden noch so lange am Leben erhalten, bis die Organe zum Einsatz kommen. Das Hirn ist tot und damit der Mensch; der Körper lebt weiter. Genauso verhält es sich mit dem Fernsehen. Es ist vollkommen hirntot.

Kommentare [1]

HarryHIII am 17.12.2009 um 18:50

Schönes Ding. Geht mir genauso; bis auf das mit der Erkrankung.

Was Filme anschauen (konsumieren) angeht, präferiere ich allerdings tatsächlich immer noch das halbwegs lang ausgestreckte Lean-Back – und Essen und Trinken ohne Angst haben zu müssen, dass mir was in die Tastatur plumpst.

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