11.08.10
Meine Gedanken zu Wave, Buzz und dem Netzneutralität-Deal
Es gibt diese Möglichkeiten:
- Entweder ein Produkt erfindet etwas grundsätzlich neues, worauf alle unterbewusst gewartet haben. Dann sind Fehler im Produkt zu verzeihen, solange man die grundsätzliche Richtung erkennen kann. Beispiel: Twitter
- Oder ein Produkt erfindet nichts fundamental Neues, macht eine bestimmte Sache aber so gut, dass es sich von der Konkurrenz abhebt. Beispiel: GMail
Dieses einfache System ist Google Wave zum Verhängnis geworden und wird Google Buzz zum Verhängnis werden. Google Buzz macht nichts neu. Es ist eine Mischung aus FriendFeed, Twitter und allem was sonst noch so durch die wohlbekannte zweite Inkarnation des Webs fleucht. Damit ist wie oben beschrieben noch nichts verbaut, der Erfolg liegt noch im greifbaren Bereich. Leider ist Google in letzter Zeit nicht sonderlich gut darin, bestehende Ideen in Gut umzusetzen. Im Gegensatz zu Apple fehlt mir da der Wille zur Perfektion, vor allem was die Mensch-Maschine-Schnittstelle anbelangt.
Google Wave passt als typischer Versager nicht so klar in obiges Schema wie Buzz. Trotzdem ist das Versagen bezeichnend. Wave war ein Produkt, das auf eine ganz bestimmte, sympathische Art etwas neu erfand: Kollaboratives Arbeiten. Die oben beschriebene Bedingung, damit man Fehler verzeihen könnte, war allerdings nicht gegeben. Google Wave wurde als Ersatz für E-Mail angekündigt und zielte somit gegen eine Wand. Hätte man nicht so hoch gegriffen und das Tool als das angekündigt, was es ist und werden sollte und alle Bestrebungen in diese Richtung laufen lassen, läge Wave wahrscheinlich heute nicht für tot erklärt auf dem OP-Tisch, während die Organspende vorbereitet wird.
Es wird an manchen Stellen behauptet, Wave wäre seiner Zeit voraus gewesen. Daran glaube ich nicht. Ich glaube durchaus, dass die Welt bereit ist, für (teil-)öffentliche Kollaboration. Aber ich glaube, dass die Welt nie bereit sein wird, ihre elektronische Post durch derartige Werkzeuge zu ersetzen.
Zurück zu Buzz. Ich gab dem Dienst mehrere Chancen. So sollte man zum Beispiel meinen, dass Google Buzz sehr gut in das Android-Betriebssystem integriert ist. Ich sehe nicht an welcher Stelle. Es gibt zwar ein sehr süßes Widget, aber das war’s dann auch schon. Auf die Timeline zugegriffen wird über die Weboberfläche, was grundsätzlich nichts Schlimmes ist. Es ist nur so, dass es Google noch immer nicht geschafft hat, Webapplikationen ordentlich in ihr mobiles OS einfließen zu lassen. Das nervt vor allem im Hinblick auf fehlende Clients in der Anfangszeit als es für Buzz noch keine öffentliche API gab. Man könnte fast meinen, Google wollte, dass man gezwungen ist, die Weboberfläche zu nutzen. Dagegen habe ich nichts, aber dann soll die Oberfläche eben auch funktionieren. Nicht nur auf dem Telefon nervt das, die Desktop-Version mit der Integration in GMail ist ja noch viel schlimmer. Darüberhinaus ist die visuelle Erscheinung von Buzz äußerst konfus. Ich verstehe nicht, wie man so viel Clutter in eine Oberfläche packen kann. Ich tue mir stets schwer zu erkennen, ob es sich hier um einen Kommentar oder um einen verlinkten Artikel, einen sonstigen Link oder einen Autorennamen von irgendwoher handelt.
Aber das alles wird noch übertrumpft von der Redundanz, welche entsteht, wenn man mehrere Google-Services und zusätzlich noch Twitter nutzt. Google Reader Shared Items sind eine großartige Sache. Aber diese sehe ich im Reader selbst und in Buzz. Diese Art der Redundanz ist absolut reudig.
Die Möglichkeit, Twitter-Streams und Blog-Feeds in seinen Buzz-Feed einzubinden, sind im Prinzip zu begrüßen. Nur hätte man vielleicht absehen können, wozu das führt. So sind die meisten Buzz-Feeds nur simple Aggregatoren und wenn dann doch mal ein von Hand verfasster Buzz dazwischen tritt, geht dieser gnadenlos unter.
Wave und Buzz sind Googles jüngste Projekte und in meinen Augen das mittelmäßigste, was von dieser Firma, deren Fanboy ich einst war, kam. Mit Buzz, Wave und dem Google/Verizon-Deal, den ich noch nicht wirklich verstehe, habe ich ein wenig den Glauben in Google verloren, dessen Geschäftsmodell es ist, alles richtig zu machen.
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