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28.03.10

Native Apps versus Webapplikationen

Ist die zunehmende Popularität der AppStores auf mobilen Endgeräten der Anfang vom Untergang klassischer Webanwendungen?

Apple wollte mit dem ersten iPhone den Entwicklern das Web als Programmierplattform nahelegen und bot deshalb am Anfang noch nicht einmal ein SDK für das iPhone OS an. Jetzt haben wir einen Apple AppStore mit tausenden nativen Applikationen und wir haben etliche Nachahmer, die mit ihren Android Markets oder Windows Marketplaces ähnliche Erfolge erreichen wollen.

Wägt man alle offensichtlichen Vor- und Nachteile von Webapplikationen – also Anwendungen, die in HTML/CSS und JavaScript geschrieben sind und ständig mit dem Internet kommunizieren – ab, müsste man zu einem vernichtenden Schluss kommen. WebApps hinken fast überall hinterher. Mit JavaScript kann man nicht direkt auf die Hardware eines Smartphones zugreifen, mit CSS kann man keine nativen GUI-Elemente verwenden und trotz akuter Verbesserungen ist die Performance von JavaScript-Anwendungen nur mittelmäßig im Vergleich zu nativer Software.

Diese Unterschiede zwischen nativen Applikationen und Webanwendungen sind aber allesamt rein technischer Natur. Der Unterschied liegt in der Implementation. Die geschieht bei Webapplikationen wie gesagt durch das Dreiergespann aus HTML für den Inhalt, CSS für das Look & Feel und JavaScript für die Funktion.

Dieses Team hat den großen Vorteil der Interoperabilität. Man bastelt eine Anwendung und diese läuft auf fast jedem Gerät. Mit den entsprechenden Weichen lassen sich solche Applikationen auch sehr fein auf verschiedene Endgeräte anpassen. Nimmt man an, als Entwickler bekommt man auf absehbare Zeit mit JavaScript Zugriff auf Accelerometer, Kamera und Toneingabe und mit CSS Zugriff auf Buttons, Widgets und Animationen, so wird sich das Dreiergespann zumindest technisch durchsetzen.

Die zugrundeliegende Technik ist aber nicht das eigentliche Problem, das Webanwendungen derzeit haben. AppStores sind vor allem deshalb so erfolgreich, weil sie einen gewissen Komfort bieten. Und das auf beiden Seiten: für die Entwickler und für die Anwender. Die Entwickler müssen sich um den Vertrieb ihrer Software keine Gedanken machen, sie legen einen Preis fest und können sich sicher sein, dass sie einen Teil dieses Geldes später auf ihrem Konto sehen. Auf der anderen Seite kann sich der Anwender sicher sein, dass die Applikationen aus dem AppStore einem gewissen Qualitätsstandard entsprechen und keinesfalls schädlichen Code enthalten. Darüberhinaus hat die zentrale Organisation der Apps den Vorteil, dass Bewertungen gesammelt, die Programme in Kategorien eingeteilt oder daraus wieder Top-Listen erstellt werden können.

Im Web fehlt ein derartig komfortables System. Der Google Apps Marketplace versucht sich in diesem Bereich zu etablieren, fokussiert sich aber zu stark auf den Desktop und ist mit einem Smartphone kaum zu bedienen. Vielleicht lässt sich das System eines einfachen Marktplatzes aber auch gar nicht auf Webanwendungen übertragen. Stattdessen erfordern dezentral verteilte Anwendungen vielleicht auch ein dezentrales Organisationssystem.

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