25.02.09
Pinguphile Twitter-Clients im subjektiven Test
Wer denkt, es gäbe nur sehr wenige Twitter-Clients für Linuxuser, der irrt. Wer denkt, es gäbe nur sehr wenige gute Twitter-Clients für Linuxuser, dem muss ich leider zustimmen.
Ich habe die letzten Wochen sehr viele verschiedene Clients ausprobiert. Zunächst hatte ich keine großen Anforderungen an das Programm, aber nach und nach wusste ich, welche Features ich wollte und welche nicht.
Folgende Liste zeigt die Must-Haves:
- Selber twittern sollte schon funktionieren.
- URL-Kürzung; am besten so, dass man sich selbst nicht mehr darum kümmern muss.
- Reply/Retweet/Direct Message Funktionen, die intuitiv zu bedienen sind.
- URLs aus anderen Tweets müssen durch einen Klick aufrufbar sein.
- Wenn Tweets eintrudeln, sollen diese als Nachrichtenfenster in einer Bildschirmecke angezeigt werden.
- Das Programm sollte performant sein.
Besonders bei dem ersten Punkt dachte ich zu Beginn, das sollte kein großes Problem werden. Ich wurde eines Besseren belehrt.
Im Folgenden werde ich meine Eindrücke zu den getesteten Programmen schildern.
Twitkit, Twitbin und Twitterfox
Diese drei stehen für die große Menge an Firefox-Add-ons, die es als Twitter-Clients gibt. Der Vorteil dieser Programme ist, dass sie auch auf anderen Systemen genau gleich aussehen und sich gleich bedienen lassen.
Ich bin in meinen Tests nur auf Twitbin genauer eingegangen, da mir dieses Add-on von Anfang an am besten gefallen hat.
Die Add-ons klinken sich als Sidebar in Firefox ein. Twitbin lässt sich durch einen Klick auf das Icon, das links neben der Adressleiste sitzt ein- und ausklappen, was ich als äußerst praktisch empfand. Der Client stellt leider keine Möglichkeit zur direkten Nachrichtenverteilung bereit, dafür lässt es sich prima retweeten und replyen.
Benachrichtigt über neue Tweets wird man bei Twitbin aber nicht. Das ist vor allem dann nervig, wenn man die Sidebar gerade nicht ausgefahren hat.
Pros:
- klickbare URLs
- einfache Replys
- ein- und ausklappbar
- plattformübergreifend
Cons:
- keine URL-Kürzung
- keine direkten Nachrichten
- keine Alert-Fensterchen
gTwitter
gTwitter hat zwei Ansichten. Eine klassische, wie sie bei jedem anderen Client auch zu finden ist und eine, die an einen Feedreader wie z.B. Liferea erinnert. Seltsamerweise kann man im sog. Tweet View (die klassische Ansicht) keine URLs öffnen, in der anderen Ansicht schon.
Ein weiterer Nerv-Faktor ist die Tatsache, dass man keine Tweets senden kann. Klingt komisch, is’ aber so. »Posting failed!« lacht es mir ganz dreckig in’s Gesicht. apt-get autoremove gtwitter ist meine Antwort.
Ok, es ist noch eine Beta-Version, aber ich will doch wenigstens das tun dürfen, wofür das Programm eigentlich gemacht wurde!
Pros:
- fühlt sich im ersten Moment gut an
Cons:
- Man kann nicht twittern (Hallo …?)
- komische URL-Handhabung
Alert Thingy, Spaz, Twhirl, Tweetdeck …
Es gibt Unmengen an Clients, die Adobes AIR Plattform als Unterbau nutzen. Zum einen kann man das als Vorteil werten, da sie somit auch auf den 3 großen Betriebssystemen laufen, zum anderen ist es ein massiver Nachteil, da die Programme damit sehr langsam, träge und vor allem fremdartig wirken.
Das ist dann zum Glück auch der einzige Nachteil, denn ansonsten bieten diese Clients alle erdenklichen Features.
Pros:
- URL-Kürzung
- Rewteets und der ganze Kruscht
- Anklickbare URLs
- etc.
Cons:
- lahm
- wirken wie Fremdkörper
Twitux
Twitux war zunächst mein Favorit. Bis … tja bis ich es ernsthaft zu benutzen versuchte. Keine anklickbaren URLs, sonst kaum Features und wenn ein Tweet kommt, wird das zwar mittels Nachrichtenfenster berichtet; der Inhalt steht da aber nicht.

Pros:
- minimalistisch und deshalb übersichtlich
Cons:
- keine anklickbaren URLs
- keine sonstigen Funktionen
- Benachrichtigung ist nahezu nutzlos
Gwibber
Gwibber kann man nicht nur für Twitter, sondern auch für diverse andere Dienste nutzen. Man kann, ich will aber nicht.
In Gwibber gibt es zwei Reiter, »Messages« und »Replies«. Es lassen sich noch weitere Reite öffnen, um beispielsweise alle Tweets einer bestimmten Person aufzulisten.
Gut gefällt mir bei diesem Client, dass er die wichtigsten Punkte meiner Liste voll erfüllt. Er kann aber z.B. kein URL-Shortening und direkte Nachrichten und Retweets unterstützt das Programm auch nicht.
Anmerkung: Und er kann doch URL-Shortening. Und das sogar besser als jeder andere Client, denn er kürzt nur, wenn es notwendig ist. Daumen hoch!
Darüberhinaus hat er noch ein paar Schönheitsfehler, die den Spaß etwas trüben. Beispielsweise bekommt man beim Absenden eines Tweets keine rechte Rückmeldung, ob es denn nun funktioniert hat. Erst beim nächsten Refresh wird einem der eigene Tweet in der Liste angezeigt.
Außerdem nervt mich das Design. Muss eigentlich immer alles spiegeln und glänzen? Eine echte Seuche ist das mit dem Webzweinull-Look. Aber das ist sicherlich Geschmackssache.
Pros:
- klickbare URLs
- einfache Replys
- nutzt die Nachrichtenfenster, die vom Fenstermanager (bei mir Metacity unter Gnome) bereitgestellt werden.
Cons:
- keine Retweets und direkte Nachrichten
- Webzweinull-Look
- kleinere Unschönheiten
Der Spezialfall: Gnome Do
Auch für das praktische Gnome Do gibt es eine Twitter-Erweiterung. Man hat keine Nachrichtenliste, aber kann schnell Kurzmitteilungen versenden. Allerdings rate ich davon dringlichst ab.
Normalerweise ist Gnome Do darauf ausgelegt, durch Eingabe einiger Buchstaben das gewünschte Programm zu öffnen. Vertippt man sich aber einmal ganz doof, denkt sich das Programm, ich möchte das jetzt twittern. So kommt bei den Followers manchmal ein Tweet wie »folezi« rein, obwohl ich doch eigentlich nur Filezilla aufrufen wollte …
Fazit
Nicht zu empfehlen sind gTwitter und Twitux. Ansonsten kann ich Linuxern mit einem starken System die AIR-Apps ans Herz legen. Die ruckeln und zuckeln zwar, tun aber ihren Dienst.
Ich persönlich pendle derzeit noch zwischen Gwibber und Twhirl.
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