14.08.09
Warum ich Browserdefaults nicht nutze
Dieser Artikel ist einer unter vielen, die dem lesenden Frontendentwickler erklären möchten, man solle doch bitte mit 100% bzw. 1em Schriftgröße arbeiten. Normalerweise führt das zu 16px Mengentextschriftgröße, denn 16px sind als Standard in allen bekannten Browsern voreingestellt. Das Argument der Autoren klingt zunächst einleuchtend: Die Browserschriftgröße kommt vom User und was der User will, das soll er auch bekommen.
We don’t want to click bigger or smaller buttons and we don’t want to change our preferences. We want to read right away. We want you to adjust to our settings, and not the other way around.
Auch wenn ich im Grunde ebenfalls der Ansicht bin, dass bei dem Erscheinungsbild einer Website der User so viel wie möglich mitbestimmen sollte, muss ich in diesem konkreten, aber auch in vielen anderen Fällen verneinen.
Klar, 16px sind die Schriftgröße, die beim Besucher als scheinbarer Wunsch vorliegen. Scheinbar, denn ich behaupte, 90% aller Surfer wissen nichts von dieser Einstellung und dass man sie ändern kann. Die 16px werden dem User also aufgezwungen, ohne Rücksicht auf die Systemschriftgröße, die meist weit unter den übertriebenen 16px liegt. Wenn jemandem die Texte im Web zu klein sind und er die Einstellung kennt, wird er auch wissen, dass er den Wert vielleicht auf 18px stellen sollte. Wer sagt überhaupt, dass sich die 16px auf Mengentext beziehen und nicht einen Durchschnitt angeben?
Und das ist auch schon der nächste Punkt: 16px sind oftmals zu viel. Große Schrift bedeutet nicht automatisch gute Lesbarkeit. Ein Mengentext in 16px Schriftgröße kann durchaus viel schlechter lesbar sein als einer in 13px. Große Schrift bedeutet große Laufweite bedeutet mehr Raum, den das Auge überblicken muss.
Irgendwo muss man eine Grenze ziehen zwischen scheinbaren Userpräferenzen und wirklichem Design. Argumentiert man vollkommen für ersteres, raubt man CSS irgendwann die Daseinsberechtigung. Die Grenze ist zwar fließend, aber ich denke spätestens bei der Wahl der Schrift springen viele vom einen Zug auf den anderen. Ähnlich wie bei den Schriftgrößen kann man nämlich auch hier fordernd nachfragen: „Warum nicht bloß die Unterteilung in serif und sans-serif, der User wird schon wissen, welche Schriften er am besten lesen kann!“
Hier fällt vielen der Disput leichter, denn die Argumente liegen auf der Hand. Der User weiß eben nicht, was er will und außerdem werden Inhalte auch über deren Verpackung vermittelt. Zur Verpackung gehört ganz klar die Typographie, damit die verwendete Schrift und eben auch die Schriftgröße.
Kommentare [5]
Martin am 14.08.2009 um 15:34
:)
Martin am 15.08.2009 um 00:32
Kurz was zu dem Artikel von iA. Die predigen 100%, verwenden aber 16px was mittlerweile recht viele tun, die sich mit Webtypografie beschäftigen (und 16px eben nicht zu groß finden, was einfach nur eine Frage des Geschmacks oder der Gewohnheit ist). Nun ist px ja eigentlich ok, jedenfalls besser als der 80%-Bullshit, aber wenn man schon exakt 16px verwendet, warum dann nicht gleich 100%?
Markus Schlegel am 15.08.2009 um 10:35
Ah, jetzt weiß ich auch wieder, wie ich auf den Artikel gestoßen bin :D (Aber wo ist dein Post eigentlich hin?)
Mit dem Artikel wollte ich eigentlich zwei Punkte klarmachen:
- meine Position in der Schriftgrößenfrage
- meine Ansichten zu der Grenze zwischen Browserdefaults und Design als solches.
Bekehren wollte ich niemanden, das kündige ich in entsprechenden Fällen schon laut genug an :P
Martin am 15.08.2009 um 15:26
Ach, ich schreib andauerend so Zeugs, um dann immer wieder erneut festzustellen, daß ich nicht schreiben kann und es dann doch nicht veröffentliche. Diesmal war er nur versehentlich paar Minuten online.
Zum Thema Lesbarkeit von Schriftgrößen: Das ist einfach nur eine Frage der Gewohnheit, Sehstärke und Technik, welche sich ständig ändert. Es gab eine Zeit da hatten wir alle Adleraugen, 17’‘Monitore und waren 9px gewohnt. Aktuell dürfte der Durschnitt bei 13px mit einem Trend zur 14px liegen. Die 16px dürften wir in zwei bis drei Jahren erreichen. Aber selbst dann wird es noch weitergehen, weit über die 16px hinaus.
Markus Schlegel am 16.08.2009 um 16:17
Der Trend zu immer größeren Schriftgrößen fußt meiner Meinung nach auf der immer größer werdenden Pixeldichte der Darstellungsgeräte. Die alten 17-Zoller mit 1024px kommen nie an heutige Sony Vaios mit 10 Zoll und 1600×1200px heran.
Das ist natürlich ein begrüßenswerter Trend, denn die größeren Auflösungen gepaart mit größeren Buchstaben ergeben ein schärferes Schriftbild.
Ich denke nur, dass die Schriften für das Auge selbst immer ungefähr gleich groß bleiben werden. Im Print haben sich die klassischen 9-12pt ja schon über Jahrhunderte bewährt.
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