10.12.10
Was das Chrome OS und der Webstore eigentlich tun
oder: das fundamentale Feature von Webapplikationen
Warum heißt der Browser auf Android einfach „Browser“ und nicht „Chrome“, schließlich heißt der Browser auf dem iPhone auch „Safari“?
Obwohl es manchmal scheint als wäre Google des Nachdenkens nicht mächtig, so muss man doch einsehen, dass die Entscheidung der Namenswahl des Browsers bei Android besser gelungen ist. Noch pragmatischer, wenn auch auf den ersten Blick hirnverbrannt, wäre die Bezeichnung „Web“ oder gar: „Internet“.
Beobachtung 1: Das Web ist das Internet ist das Web
Ja, ich meine das ernst. Natürlich ist die Bezeichnung „Internet“ für einen Webbrowser auf einem Gerät, das ständig (über alle möglichen anderen Kanäle) mit dem Netz kommuniziert, nicht wirklich scharf oder genaustens zutreffend. Aber: Die Leute da draußen verstehen unter „Internet“ nun einmal das Web. Eine E-Mail in Outlook verschicken: Kein Internet, sondern E-Mail. Eine E-Mail auf der GMail-Weboberfläche verschicken? Ja, dazu muss ich „ins Internet“.
Das sind Beobachtungen aus meinem Umfeld und ich erhebe damit keinen Anspruch auf Repräsentativität. Jedenfalls beobachte ich sehr häufig, dass viele die Begriffe „Web“ und „Internet“ synonym verwenden, meistens jedoch „Internet“ sagen und damit das Web meinen.
Beobachtung 2: Clients sind ein Fremdwort
Für jede Webapplikation gibt es tolle native Clients, aber die Normalnutzer (nicht wir!) wissen überhaupt nicht, was das ist. Dass man sich seinen Facebook-Stream auch per Tweetdeck vor die Linse holen kann oder der Facebook-Chat mit einem ordentlichen Client statt nerviger Weboberfläche bedienbar ist – das alles ist den meisten fremd. Stattdessen gehen die Nutzer viel eher „ins Internet“ und surfen facebook.com an.
Ach ja, und es kann mir auch keiner erzählen, dass sich Normalnutzer ihr Mail.app, Thunderbird oder Outlook selbst einrichten! Das muss immer jemand mit viel Ahnung machen. Wenn es dann einmal funktioniert, ist das natürlich super. Offene Münder starren einen an, wenn erst einmal die erste Mail innerhalb von 5 Sekunden auf den Desktop gepusht wurde. „Krass, das ruft die Mails ja von alleine ab.“
Weiterführung: Was Nutzer wollen und was sie meinen zu wollen ist nicht das selbe
Der Spruch ist hinlänglich bekannt. Im Bezug auf die obigen beiden Punkte gewinnt er aber wieder eine etwas neue Richtung. Was der Normalnutzer meint zu wollen, ist das Web (er nennt es Internet). Was er will, hängt natürlich immer von der Aufgabe ab: schnellen Zugriff auf die neusten Mails, schnellen(!) und komfortablen(!) Zugriff auf das Weltwissen, Spiele mit Online-Ranking spielen etc. pp. Das alles ist derzeit oft mit nativen Clients noch besser machbar als mit dem Web. Aber: (siehe Beobachtung 2) diese Möglichkeiten werden kaum genutzt.
Conclusio
Um nun also endlich auf den Titel zurückzukommen: Was ist es überhaupt, was Chrome OS, der Google Chrome Webstore und Webapps im Allgemeinen versuchen zu erreichen? Es wird versucht, das, was der Nutzer tatsächlich will (Schnelligkeit, Komfortabilität) auf das, was er meint zu wollen (das Web), zu projizieren.
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