26.12.09
Was formspring.me hätte besser machen müssen
Zugegeben, auch ich hatte dem Dienst am Anfang viel Potenzial beigemessen. Mittlerweile kristallisieren sich aber nach und nach die Fehler der Macher heraus. Das Konzept finde ich immer noch spannend, die Umsetzung ist aber eher so medium.
Was mir auf jeden Fall am besten gefällt, ist die Anonymität des Fragenden. Diese sollte meiner Meinung nach auch noch konsequenter durchgesetzt werden. So sollte es nicht möglich sein, nicht anonym zu fragen; zumindest aber sollte die anonyme Frageform die Standard-Einstellung sein.
Jedenfalls steht – um wieder zum Positiven zu kommen – nicht der Fragesteller in der Mitte sondern die Frage. Ganz wichtig ist hierbei auch, dass der Befragte eventuell unflätige Fragen schlicht ignorieren kann. Und dabei wird er nicht, wie beispielsweise die Politiker bei Abgeordnetenwatch an einen virtuellen Pranger gestellt, sondern schweigt einfach über die Frage und niemand wird je etwas davon mitbekommen. Das ist auch richtig so, denn Politiker sollen sich rechtfertigen müssen, Privatpersonen nicht.
Auf kurze Sicht funktioniert formspring.me super. Dann beantwortet man eben die Frage nach seinem Lieblings-Browser, wenn man Spaß am Formulieren hat, ist das nicht einmal langweilig. Dazwischen tauchen witzige Fragen auf, die man ebenso witzig beantwortet. Alles supi!
Auf Dauer nervt das Spielchen aber. Die Fragen wiederholen sich und es kommt zum x-ten Mal die Frage nach dem Lieblings-Irgendwas. Was hier zuallererst fehlt, ist die Möglichkeit, ältere Fragen zu verlinken. Darüberhinaus wäre natürlich ein systematisches Abfangen multipler Fragen im Voraus wünschenswert und sicherlich auch nicht allzu schwer umzusetzen. Wiederholungsfragen könnte man vielleicht auch schon damit abwenden, dass sich jeder Benutzer ca. fünf bis zehn Fragen aussuchen und diese auf seiner Profilseite prominent einbinden kann. Quasi als ein Konzentrat der besten Fragen mit den besten Antworten. Meine persönlichen FAQ.
Neben Widerholungsfragen sehe ich ein weiteres Problem in der Verknüpfung einzelner Fragen. Wenn eine Frage nicht zur Zufriedenheit des anonymen Questionés beantwortet wurde und dieser eine Folgefrage stellen möchte, hat er keine Möglichkeit, an seine erste Frage anzuknüpfen. Anstatt das Modell eines einfachen Frage-Antwort-Paares würde hier schon das eines Dialogs aus mehreren Fragen & Antworten abhelfen.
Darüberhinaus halte ich das Follower-Modell für ein typisches Beispiel für „gewollt aber nicht gekonnt“. Die Idee, die sich offensichtlich bei Twitter bedient, ist in ihrer Umsetzung weder durchgebraten noch medium, nein noch nicht einmal englisch. Ich sehe nicht, wer mir folgt, ich weiß noch nicht einmal genau, wem ich folge. Ich werde nicht benachrichtigt, wenn eine neue Frage meiner Followings beantwortet wurde; kein Feed, kein Garnichts. Es gab einmal eine Zeit, da wurde ich wenigstens noch per E-Mail auf neue (eigene) Fragen aufmerksam gemacht. Das funktioniert jetzt aber irgendwie auch nicht mehr.
Und so kommt es, dass formspring einen sehr kurzen Schub bekam, aufgrund zu niedriger Garstufe bald all’ die Aufmerksamkeit verliert und letztlich wird man nur noch sagen: „Formspring, Ja, hab ich auch, Nein, benutze ich aber nicht“. Die Firma, die dahinter steht, hat durch die Aktion mächtig Aufmerksamkeit eingesackt. Vielleicht war es auch gar nicht gewollt, formspring.me zu stark wachsen zu lassen. Ich finde es jedenfalls schade.
Kommentare [2]
Gerald - hyperkontext am 26.12.2009 um 13:37
Wegen Feed:
Da hat irgendwer mal diesen Link gepostet:
http://formspring.socialmediainferno.com/rss/rss.py?user=[Usernamen]
Das scheint zu funzen.
Markus Schlegel am 27.12.2009 um 23:08
Das ist ja schon einmal ein Anfang, danke.
Eigentlich aber möchte man ja einen Feed mit allen Fragen aller seiner Verfolgten.
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