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8.02.10

Zweimal

Ohne Konzept geht nichts, so heißt es. Das stimmt, doch wird „Konzept“ meist mit Mindmaps, Gliederungen oder Thesenzusammenfassungen gleichgesetzt. Viel eher kann man jedoch die Konzeptionierung genauso wenig verallgemeinern wie das, was in dem Prozess erarbeitet wird. Ich selbst nehme zwar recht oft Stift und Papier zur Hand, viel öfter jedoch führe ich einen ungefähren Plan einfach zweimal durch.

Wenn ich eine Idee für einen Artikel im Kopf habe, dann schreibe ich. „Drauf los“, wie man geckenhaft sagt. Während des Schreibens gleicht der entstehende Text einem Schlachtfeld. Absätze werden vom Ende an den Anfang verschoben, Sätze oder gar nur einzelne Wörter werden durch ellenlange Absätze ausgetauscht, ellenlange Absätze werden von einem einzigen Wort verdrängt. Oft führt die notwendige Tilgung eines einzelnen Nebensatzes zur kompletten Überarbeitung des entsprechenden Absatzes.

Am Ende gleicht der Artikel einem Monster. Man versteht ihn nur noch, wenn man die Zusammenhänge schon kennt. Doch das ist nicht schlimm, denn dieser Artikel ist bloß mein Konzept. Nein, er ist das Resultat der Konzeptionsphase, die im Verfassen des Frankenstein-Artikels bestand. Der Artikel selbst kann jetzt gelöscht werden, das eigentliche Konzept ist im Kopf.

Nach dem Schreiben des monsterartigen Textes weiß ich genau, was ich wie ausdrücken möchte, welche Fragen beim Leser geweckt werden sollen und wie mein Schlussfazit aussehen wird. Das Gleiche hätte ich auch mit dem Anlegen einer Mindmap erreichen können, aber ich hasse diese Dinger. Der inkrementelle Ansatz zeigt vor allem, wo die unbedachten Schwierigkeiten, Stolperfallen und Denkfehler liegen.

Das Prinzip lässt sich in allen Bereiche anwenden, auch beim Umsetzen einer Website. Man mag nun meinen, es verschlänge zu viel kostbare Zeit, jedes Projekt zweimal umzusetzen. Tatsächlich aber verschlingt es nur viel Zeit, ohne zu.

Kommentare [5]

HarryHIII am 9.02.2010 um 16:30

Wie sagt man doch gleich:
Fluch und Segen des Computer(zeitalter)s.

Markus Schlegel am 9.02.2010 um 21:00

Hä?

HarryHIII am 24.02.2010 um 17:35

Zum Beispiel Dein zweiter Absatz: So wäre man vor dem Eintritt des Computers in die Arbeitswelt (und private Welt) nicht vorgegangen (Computerzeitalter).

„Drauf los“-Schreiben war damals mindestens unpraktisch. Es musste(!) viel strukturierter vorgegangen werden. – Segen des Computer(zeitalter)s.

Vieles von dem, was heutzutage „produziert“ wird, wäre „damals“ sogleich als überflüssige Mühe abgehakt und enttarnt worden; beziehungsweise es wäre gar nicht gedacht worden, und man hätte sich von daher naturgemäß einiges an Zeit erspart. – Fluch des Computer(zeitalter)s.

P.S.:
Ich bemerkte gerade: kursiv – ce n´est pas possible?

Markus Schlegel am 24.02.2010 um 17:51

Kursiv, c’est possible: _und zwar so_

HarryHIII am 24.02.2010 um 18:47

Merci, vielmals.

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