Halluzinationen: Rüdigers Lotto
Das Problem am Wort 'Halluzination' im Bezug auf KI ist nicht einfach nur, dass man dadurch diese Dinger anthropomorphisiert. Auf gewisse Weise ist es gegenüber der KI schon beinahe unfair, ihr Halluzinationen zu unterstellen.
Zeit für ein Gleichnis!
Rüdiger wäre gern reich. Er sieht, dass man durchs Lottospielen reich werden kann. Lottospielen ist auch erstaunlich einfach, man muss nur die richtigen Zahlen ankreuzen. Das ist anders als im Tiefbau, beispielsweise, dort muss man oft schwere körperliche Arbeit leisten und wird trotzdem nicht reich. Rüdiger denkt sich also eine tolle Zahlenreihe aus und kreuzt die auf dem Lottoschein an. Er ist sich sehr sicher, dass das klappt, er hat sich immerhin brav an alle Lottoregeln gehalten. Doch es stellt sich raus: seine Zahlenreihe war leider falsch.
Rüdiger zerbricht sich den Kopf. Er analysiert die bisherigen Lottoziehungen. Er schaut sich die zwei letzten Lottoziehungen an und bemerkt, dass die Zahlenreihe von vorletzter Woche eine kleinere Zahlensumme ergibt als die Zahlenreihe von letzter Woche. Rüdiger wähnt sich auf einer heißen Spur. Leider entzieht sich schon die Zahlenreihe von vor drei Wochen diesem eigentlich schönen Schema. Rüdiger analysiert weitere Lottoziehungen, doch er kann einfach keinen Sinn erkennen. Glücklicherweise ist Rüdiger Machine-Learning-Ingenieur. Er bastelt sich ein großes ML-Modell zusammen und "trainiert" es auf den Lottozahlen der letzten 20 Jahre. Dann fragt er das fertige Modell nach den Lottozahlen für nächsten Samstag. Er trägt die Zahlen auf dem Lottoschein ein und ist sich wieder sicher, dass es dieses mal klappt.
Es klappt nicht. Die gezogenen Zahlen sind andere als die, die sein Modell ausgespuckt hat. "Scheiß Modell", denkt Rüdiger, "das halluziniert ja wie blöde."